© Jin Weiqi
Honorary Awards 2026

Architects’ Client of the Year 2026: Zheshui Village Committee

Eine Kinderbibliothek, gemeinschaftlich in eine Felsmauer gebaut: Das Zheshui Village Committee und LUO Studio werden dafür bei den ICONIC AWARDS 2026 ausgezeichnet.

Mit dem Projekt Zheshui Natural Library ist es dem Architekturbüro Luo Studio gelungen, Kindern einen besonderen Ort zum Lesen und Lernen zu schaffen. Der Ort ist vor allem deshalb so besonders, weil er in die bestehende Steinmauer des abgelegenen Bergdorfes Zheshui eingebettet ist. Als Teil des Taihang-Gebirges in Shanxi, einer Hochebenenprovinz in Nordchina, liegt die Gegend etwa 1.500-2.000 m über dem Meeresspiegel. Um beim Bau der Bibliothek so wenig wie möglich ökologische Schäden anzurichten, entschied sich die hiesige Gemeinde, das Zheshui Village Committee, ausschließlich lokalen Baukonventionen zu folgen. Als Inspiration dienten die Häuser vor Ort, die traditionell „an die Felsen gelehnt“ werden. Damit wurde die Struktur der natürlichen Topografie nachempfunden. Günstig wirkte sich auch die Entscheidung für eine Leichtbauweise sowie der Bezug lokaler Materialien auf das Vorhaben aus. Die natürliche Kinderbibliothek, bestehend aus einem überproportional großen Bücherregal aus Holz mit Säulengittern, Glasbausteinen und einem Schrägdach, schafft für die Gemeinde einen bedeutungsvollen öffentlichen Raum, der sowohl Ökologie und Soziales als auch Außen und Innen verbindet. Mehr noch: Eine helle, großzügige Galerie ist entstanden, in der sich die kleinen Besucher nicht nur frei bewegen, sondern auch zum Schmökern auf einen der Felsen zurückziehen können.

 

Jurybegründung

So viel Engagement muss belohnt werden: Um die Idee der Naturbibliothek wahr werden zu lassen, arbeitete das Zheshui Village Committee nicht nur mit dem Architekturbüro Luo Studio zusammen, sondern bezog auch sämtliche helfenden Hände der Dorfbewohner*innen ein. Allein aufgrund der Entlegenheit stand das Projekt vor großen Herausforderungen: schlechte Transportmöglichkeiten erschwerten den Zugang zu Materialien, bergiges Gelände machte das maschinelle Bauen schwergängig. Im Kollektiv entschied man sich für einfache Handwerkskunst und lokale Baumaterialien. In kleinen Komponenten verarbeitet, konnten die Dorfbewohner*innen das Projekt allmählich von Hand aufbauen. Doch was nützt eine fertige Kinderbibliothek ohne Bücher? Über landesweite Spendenkampagnen wurde reichlich Lektüre gesammelt. Außerdem integrierten Schulen und andere Kultureinrichtungen die Zheshui Natural Library in ihre Programme. Auf besondere Weise gelang es den Projektinitiatoren nicht nur, eine passende Bibliothek für die Gemeinde zu schaffen, sondern auch eine enge Verbindung zwischen Bauleuten und Landschaft. Besser lassen sich Bildung, soziale Aspekte und die Faszination für die Natur wohl kaum fördern. Die neue Naturbibliothek entsteht aus gemeinschaftlichem Handeln und stärkt damit nachhaltig den Zusammenhalt im Dorf – getragen vom Gedanken eines Ortes für alle.

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