Vitron Steel © LAUFEN
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Planer aufgepasst: Wir suchen die Beispiele für eine neue Badkultur!

Smarte Technik und langlebige Materialien prägen das neue Bad

Seelenort: Das Bad als Refugium

Zwischen permanenter Erreichbarkeit, beschleunigten Routinen und digitaler Überforderung wächst das Bedürfnis nach Räumen, die entlasten und sinnliche Erfahrung ermöglichen. Die Milan Design Week hat gezeigt, dass das Badezimmer in der Planung eine zunehmend neue Bedeutung erhält: nicht mehr nur als funktionaler Sanitärraum, sondern als Ort, an dem alltägliche Routinen in Momente der Ruhe und Regeneration übergehen. Auf kleiner Fläche wird hier sichtbar, wie sehr neue Raumqualität von einem intelligenten Zusammenspiel aus Funktion, Material und Atmosphäre abhängt.

Diese Entwicklung betrifft alle Planungsbereiche. Im Mehrfamilienhaus beweist sich das neue Bad mit kompakten, langlebigen und wartungsfreundlichen Lösungen. Im gehobenen Wohnungsbau und im Objektbereich überzeugen robuste Materialien, eine gute Lichtführung und Elemente mit intuitiver Bedienfunktion. Im luxuriösen Privatbad lassen sich Spa-Elemente und maßgeschneiderte Details je nach Nutzerwunsch individualisieren. Über alle Segmente hinweg verändert sich die Erwartung an das Bad deutlich: Es soll funktional bleiben, zugleich aber atmosphärischer, intelligenter nutzbar und langlebiger werden.

Mit dieser Haltung verschiebt sich auch der Fokus für Innenarchitektinnen und Innenarchitekten. Sie koordinieren ein komplexes Zusammenspiel aus Grundriss, Licht, Technik, Materialwahl und Komfort. Das Bad wird so zu einem Raum, in dem gestalterische Qualität und funktionale Intelligenz besonders eng ineinandergreifen. Für Hersteller wird diese Entwicklung zur Aufgabe, Armaturen, Keramik, Möbel, Duschlösungen, Oberflächen und technische Komponenten so zu entwickeln, dass sie sich selbstverständlich in unterschiedliche Planungskontexte integrieren lassen. Das Zusammenspiel aus Wasser, Licht, Oberflächen und Akustik wird bewusster wahrgenommen als noch vor wenigen Jahren. Warme Hölzer, mineralische Oberflächen, präzise Metalle und zurückhaltende Kompositionen zeigten, wie Wellness und Kontemplation heute über Materialität, Licht und räumliche Ruhe entstehen.

Hersteller wie LAUFEN zeigen, wie stark Innovation im Bad inzwischen aus Material, Nutzung und Produktion heraus gedacht wird. Mit VITREON Steel erweitert die Marke ihr Materialuniversum um einen Werkstoff, der die glatte Anmutung keramischer Oberflächen mit der Stabilität von Stahl verbindet. Dünnere Wandstärken, hohe Dauerhaftigkeit und reduzierter Materialeinsatz verändern dabei nicht nur die Ästhetik, sondern auch die konstruktiven Möglichkeiten im Bad. Einen anderen Zugang eröffnet Konstantin Grcic mit PAR, einem neuen Badkonzept für LAUFEN, das alltägliche Routinen, Komfort und spätere Lebensphasen zusammendenkt. Die Kollektion zeigt, wie sich Unterstützung, intuitive Nutzung und gestalterische Zurückhaltung verbinden lassen, ohne das Bad als technisch oder barrierearm zu markieren.

Auch QuadroDesign gehört zu den Herstellern, die das Badezimmer über Material und System neu denken. Die konsequente Nutzung von AISI316L Edelstahl steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der Materialwahl, Kreislaufdenken und Konstruktion zusammenfallen. Gemeint ist dabei keine bloße Reduktion von Produktpaletten, sondern eine formal und konstruktiv reduzierte Gestaltung: modulare Systeme, langlebige Materialien, reparierbare Komponenten und Lösungen, die auf langfristige Nutzung ausgelegt sind. Für den Salone del Mobile ließ QuadroDesign von Giacomo Moor einen modularen Messestand entwickeln, der nach der Messe zerlegt und in Masala, Sambia, als öffentliche Sanitärstruktur wiederaufgebaut werden soll. Die temporäre Messearchitektur erhält damit ein zweites Leben und erweitert den Nachhaltigkeitsgedanken vom Produkt über die Konstruktion bis zur Ausstellungsarchitektur.

Viele der relevanten Präsentationen verzichten bewusst auf eine klassische Nachhaltigkeitsästhetik oder demonstrative Öko-Codes. Stattdessen liegt der Fokus auf präziser Konstruktion, reduzierter Produktionskomplexität und energieeffizienten Prozessen. Nachhaltigkeit wird damit zu einer infrastrukturellen Grundlage des Entwurfs, die nicht als dekoratives Statement auftritt, sondern im Produkt, im Material und im System angelegt ist. Auch die Rolle von Technologie im Badezimmer verändert sich. Systeme zur Wasseroptimierung, Hygiene oder Energieeffizienz werden nicht mehr als technische Features ausgestellt, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des Raums verstanden. Technologie verschwindet im Objekt und wird Teil einer ruhigen, nahezu unsichtbaren Komfortarchitektur. Mit In-Wash Vorea zeigt Roca diese Integration von Smart-Toilet-Technik in eine zurückhaltende, klassische Form. Gerade asiatische Märkte haben diese Entwicklung früh geprägt. Dort ist das Badezimmer seit Jahren stärker als technologisch integrierter Komfort- und Wellnessraum etabliert. In Europa verbindet sich diese technologische Präzision nun zunehmend mit einer ausgeprägten Material- und Architekturkultur.

Viele Präsentationen entwickeln sich dadurch von klassischen Produktinszenierungen hin zu atmosphärischen Raumwelten. Hersteller wie Fantini oder Inbani zeigen, wie sich das Badezimmer vom Funktionsraum zum Ort von Regeneration und sinnlicher Erfahrung entwickelt. Entscheidend sind dabei gestalterische Details: weichere Beckenformen, verdeckte Technik, integrierte Ablagen, ruhig geführte Linien und fließende Übergänge zwischen Waschplatz, Möbel und Wand. Auch Grohe übersetzt diese Entwicklung mit Aqua Sanctuary in eine räumliche Erfahrung, in der Wasser, Architektur und sinnliche Materialien zu einem naturnahen Bild von Wohlbefinden zusammenfinden. Duravit und Patricia Urquiola führen diesen Gedanken mit Balcoon-Scapes weiter: Die Installation löst Waschtische, Möbel und keramische Objekte aus ihrem rein funktionalen Kontext und zeigt sie als Teil einer wohnlichen, farblich warmen Raumlandschaft. So wird das Bad weniger als technische Ausstattung gelesen, sondern als atmosphärischer Raum, der an private Spa-Architekturen und Wohnräume zugleich erinnert.

Mailand hat gezeigt: Das Bad wird zum Refugium seiner Nutzer, nicht zum Symbol luxuriösen Überflusses. Seine Qualität entsteht dort, wo Material, Technik und Raum selbstverständlich zusammenspielen und aus täglichen Routinen Momente der Ruhe und Regeneration werden.

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